Gürtelrose: Wichtige Informationen und Therapieoptionen (Vorbeugung ab 50)

Gürtelrose

In diesem Blog erfahren Sie einiges über Gürtelrose und die begleitende TCM- und Akupunktur-Therapiemöglichkeiten.

Therapie und Prävention von Gürtelrose (Herpes Zoster) in meiner ganzheitlich- internistischen Ordination

Aufgrund meines ganzheitlichen Therapieansatzes betreue ich in meiner TCM Ordination in Wien auch als Fachärztin für Innere Medizin sehr häufig Patient:innen mit einer akuten Gürtelrose oder mit den Nachwirkungen, insbesondere der oft noch lange nach akuter Gürtelrose bestehenden neuralgischen Schmerzen, der sogenannten Postzosterneuralgie.

Gürtelrose ist sehr weit verbreitet, ca. ein Drittel der Menschen erkrankt im Laufe des Lebens wobei die Häufigkeit mit dem Alter zunimmt und 50% der Fälle bei über 50-Jährigen auftritt.

Das Entscheidendste im Fall einer akuten Erkrankung ist eine möglichst rasche Diagnose und ein ebenso rascher Therapiebeginn. Deswegen vergebe ich akute Termine an meine Patient:innen bei Verdacht.

Inzwischen steht für die Prävention von Gürtelrose und der Postzosterneuralgie ein rekombinanter, adjuvantierter Totimpfstoff zur Verfügung.

Auf jeden Fall basiert die Gürtelrose Therapie und der Postzosterneuralgie auf den Leitlinien der S2k-Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft e. V. und des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen e. V. Sie umfaßt eine systemische antivirale Therapie sowie lokale Therapiemaßen und eine umfassende, an die Schmerzintensität angepaßte Schmerztherapie. Die aktuelle Leitlinie ist bis 23.5.2024 gültig.

Aber auch Methoden der Traditionell Chinesischen Medizin, wie Akupunktur und chinesische Kräutertherapie stehen bei Gürtelrose als unterstützende, zielführende Therapiemaßnahmen zur Verfügung. Ein ganzheitlicher Therapieansatz ist jedenfalls auch bei Herpes Zoster von zusätzlichem Vorteil.

Welche Ursache hat Herpes Zoster?

Jedenfalls sind die Verursacher der Erkrankung die Windpocken-Viren, auch Varizella-Zoster-Viren (VZV) genannt. Beim einem Erstkontakt mit dem Virus von außen wird die Varizellen-Erkrankung hervorgerufen, auch Windpocken oder Feuchtblattern genannt. Einerseits passiert dies meist im frühen Kindesalter, andererseits kann die Ansteckung aber auch unbemerkt vberlaufen. Dennoch bleiben nach der Erkrankung an oder Ansteckung mit Windpocken die VZV lebenslang im Körper des Menschen vorhanden. Schließlich nisten sich die Viren in den Hirnnerven und in den Nervenwurzeln des Rückenmarks und der Hirnnervenganglien ein.

Unter bestimmten Umständen – gewisse Patientengruppen haben ein höheres Risiko (siehe unten) – beginnen sich die in den Nervenganglien schlummernden Varziella-Zoster-Viren wieder zu vermehren und wandern entlang der Nervenbahnen an die Haut im Versorgungsgebiet des einzelnen Nerven und verursachen dort nicht mehr eine Windpocken-Erkrankung sondern die Gürtelrose (Herpes Zoster Erkrankung).

Welche sind die Risikofaktoren für das Auftreten einer Herpes-Zoster-Erkrankung?

  • Vorübergehende Abwehrschwäche, Traumata, Stress
  • Altersbedingte Abwehrschwäche (Alter > 50 Jahre)
  • Krankheitsbedingte Abwehrschwäche (z.B. HIV-Infektionen, Tumorerkrankungen, Organ- und Knochenmarkstranplantierte, Rheumatoide Arthritis, systemischer Lupus erythematodes, Chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Asthma bronichaile, chronisch obstruktive Lungenerkrankungen, chronische Niereninsuffizienz, Diabetes mellitus)
  • Abwehrschwächende Medikamente (längere Cortisontherapie, Chemotherapie, Immunsuppressionstherapien)
  • UV-Strahlung

Wie sieht Gürtelrose aus und wo kann sie auftreten?

Herpes zoster ist üblicherweise ein halbseitiger, bläschenförmiger Hautausschlag, oft gürtelförmig und oft mit brennendem Gefühl, begleitet von mehr oder weniger starken Schmerzen.

Sie kann aber auch ohne Bläschen auftreten und ist in diesem Fall schwieriger zu diagnostizieren. Weiters kann sie im Auge, im Ohr oder auch im zentralen Nervensystem auftreten.

Gibt es neben den Bläschen noch weitere Symptome der Gürtelrose?

Typisch sind auch ein nur brennendes Gefühl der Haut. Gürtelrose kann aber auch nur Schmerzbilder verursachen, die ähnlich erscheinen wie eine Migräne, wie eine Gallenkolik, ein orthopädisches Problem (vor allem im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule) oder wie eine Nierenkolik. In diesen Fällen ist eine rasche ärztliche differentialdiagnostische Klärung notwendig.

Welche Komplikationen können auftreten?

Jedenfalls ist Herpes zoster leider eine Erkrankung mit einer hohen Komplikationsrate. Ungefähr 30% der Erkrankten erleiden u.a. eine der folgenden Komplikationen und etwa 10% davon müssen stationär behandelt werden:

  • Post Zoster Neuralgie/Schmerzen
  • Post Zoster Pruritus (Juckreiz)
  • Bakterielle Superinfektion im Bereich der Zoster-Bläschen
  • Zoster ophtalmicus (Augenbeteiligung)
  • Zoster oticus (Ohrenbeteiligung) mit eventuellen Hörverlust
  • Zoster Beteiligung des Zentralen Nervensystems
  • Generalisierte Zoster-Erkrankung mit Organbeteiligung (Lunge, Gehirn)
  • Steigendes Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall

Wann spricht man von Post Zoster Neuralgie?

Dies ist der Fall wenn drei Monate nach Abheilung der Hautläsionen in den vom Hautausschlag betroffenen Arealen immer noch Beschwerden bestehen. Leider tritt das bei über 70-Jährigen in mehr als 50 Prozent der Fälle auf.

Wie lässt sich Gürtelrose diagnostizieren?

1. Klinische Diagnose anhand des Symptom- und Erscheinungsbildes:

Im Falle eines typischen klinischen Erkrankungsbildes ist in der Regel keine spezielle Labor-Diagnostik notwendig. Wenngleich ein erfahrenen Arzt die Diagnose anhand des klinischen Erscheinungsbildes stellt, so können aber auch untypische Krankheitsbilder auftreten, vor allem bei Patienten mit Immundefizienz. Eine spezifische Diagnostik sollte zudem bei ZNS-Erkrankungen, bei Lungenentzündungen, bei Infektionen während einer Schwangerschaft und von Neugeborenen durchgeführt werden.

2. Labordiagnsotik:

Die Diagnostik der Wahl ist der VZV-Nukleinsäurenachweis mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) aus Blut und Abstrichmaterial. Diese ist vor allem wichtig in unklaren oder atypischen Fällen. Aufschlußreich sind auch Anti-VZV IgA, IgG und IgM-Antikörper im Serum.

Ob und welche der diagnostischen Schritte notwendig sind, bespreche ich ausführlich mit Ihnen.

Wie erfolgt die Gürtelrose Therapie?

Jedenfalls sollte unbedingt ein möglichst frühzeitiger Therapiebeginn angestrebt werden. Entscheidend für einen Therapieerfolg und das Verhindern des Auftretens von Komplikationen ist der Start einer adäquaten Therapie innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome.

Die Therapie besteht aus folgenden Pfeilern:

  • Antivirale Systemtherapie mit Valaciclovir, Aciclovir, Famciclovir und Brivudin
  • Stadiengerechte Lokaltherapie der Hauterscheinungen:
    • Im frischen Bläschenstadium werden kühlende, entzündungshemmende oder antiseptische Lösungen angewandt
    • Antiseptische Gele sind im verkrusteten Bläschenstadium empfohlen.
    • Eine antivirale Lokaltherapie des Ausschlages ist nicht mehr empfehlenswert.
  • Akribische Schmerztherapie, die dem Ausmaß der Erkrankung genau angepaßt ist.

Welche Medikamente und Schmerzmittel für Sie genau in Frage kommen ergeben sich aus dem Ausmaß und der Lokalisation Ihrer Erkrankung. Im Rahmen einer ausführlichen – auch akuten – Besprechung in meiner Ordination werde ich ein für Sie angepasstes Therapiekonzept erstellen und Ihnen genau erklären.

Welche alternativmedizinischen Therapieverfahren (TCM) gibt es für die Therapie der Gürtelrose?

Neben den oben ausführlich dargelegten schulmedizinischen Therapiepfeilern kann ich Ihnen im Rahmen eines ganzheitlichen Therapieansatzes mit Hilfe von

  • TCM-Kräuterrezepturen und
  • Akupunktur (Körper-, Ohr- und Mastoidakupunktur)

sehr zielführende Heilmethoden der Traditionell Chinesischen Medizin anbieten.

Jedenfalls erfolgt die Auswahl der einzelnen Therapiemethoden individuell, je nach den jeweils als belastend geschilderten Symptomen. Vor dem Beginn mit einer ganzheitlichen Behandlung überprüfe ich aber immer zuerst ob auch alle schulmedizinischen Therapiemöglichkeiten optimal ausgeschöpft sind.

Wie erfolgt die Prävention?

Aufgrund der Tatsache dass wir immer älter werden, muss in der Zukunft mit einer Zunahme der Inzidenz von Herpes Zoster sowie den möglichen Komplikationen gerechnet werden. Folglich sollte eine Vorbeugung ab dem Alter von 50 Jahren erwogen werden.

Zur Prävention von Herpes Zoster und der Post-Zoster-Neuralgie steht seit Herbst 2021 ein rekombinanter, adjuvantierter Totimpfstoff (Shingrix®) zur Verfügung. Der Impfstoff wird in zwei Teilimpfungen verabreicht. Im Österreichischen Impfplan 2022 wird die Impfung allen Erwachsenen ab dem 50. Lebensjahr empfohlen. Zudem wird bei schweren Grunderkrankungen oder Immundefekten die Impfung schon ab dem 18. Lebensjahr empfohlen. Der aktuelle Impfstoff zeigt eine Wirksamkeit von über 90 Prozent in der Vorbeugung Erkrankung.

Leider ist der Impfstoff in Österreich im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz noch nicht gratis.